Die Europäische Union hat bei der Einführung von Krypto-Regulierungen die Führung übernommen. Nachdem die Europäische Kommission Ende Mai ihren Rahmen für Märkte für Krypto-Assets (MiCA) in Kraft gesetzt hatte, veröffentlichte sie ihren neueste Pläne zur Regulierung virtueller Welten und kryptofokussierter Web4-Technologien. Diese Richtlinien könnten enorme Auswirkungen auf die globale Kryptoindustrie haben.
Werfen wir einen Blick darauf, warum sich die EU mit virtuellen Welten befasst, welche neuesten Empfehlungen die EU hat und was diese für die Zukunft von Krypto und dem Metaversum bedeuten.
Warum virtuelle Welten wichtig sind
Die Europäische Kommission ist davon überzeugt, dass virtuelle Welten die Wirtschaft und die Beschäftigung in der gesamten EU verändern könnten. Bis 860,000 könnten über 2025 Arbeitsplätze geschaffen und bis 800 ein Wert von 2030 Milliarden Euro generiert werden. Infolgedessen könnte das entstehende Ökosystem aus Sicht der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und der Beschäftigung wirtschaftlich bedeutsam werden.
Die Europäische Kommission hebt mehrere Bereiche hervor, in denen virtuelle Welten einen erheblichen Einfluss haben könnten, darunter:
- Fachwissen – Virtuelle Welten könnten die Effizienz von Schulungen zu geringeren Kosten steigern und zu besseren Ergebnissen führen. Unternehmen könnten beispielsweise ihre Mitarbeiter schulen und ihnen mithilfe von Technologien wie digitalen Zwillingen ermöglichen, den Umgang mit Werkzeugen ohne Verletzungsrisiko zu üben.
- Kunstdesign – Virtuelle Welten könnten die Kunst durch immersive virtuelle Museen, Galerien und Archive revolutionieren, in denen Besucher von zu Hause aus lernen und erkunden können, während gleichzeitig digitale Kunst und Unterhaltung als brandneues Medium gefördert werden.
- Gesundheitswesen – Virtuelle Welten könnten schnellere und präzisere Diagnosen ermöglichen, indem sie Ärzten helfen, die Sorgen ihrer Patienten zu verstehen und medizinische Zustände anhand einer umfassenderen Aufklärungs- und Erklärungsform besser zu erklären.
Gleichzeitig bietet der Aufstieg virtueller Welten die Möglichkeit, sich von der Handvoll US-amerikanischer Unternehmen zu lösen, die das heutige Internet kontrollieren. Indem sie aus regulatorischer Sicht die Nase vorn behalten, könnten EU-Unternehmer und Unternehmen bei der Entwicklung dieser virtuellen Welten zu Marktführern werden – obwohl es bereits reichlich Konkurrenz.
So strebt Microsoft beispielsweise die Übernahme von Activision Blizzard (ein riesiges Gaming-Unternehmen) an, Apple hat sein Apple Vision Pro-Headset vorgestellt und Facebook ist seit der Übernahme von Oculus im Jahr 2014 schon lange im Metaverse aktiv. Inzwischen haben viele Kryptoprojekte bereits Metaverse-Konzepte auf den Markt gebracht, darunter Sandbox und Decentraland.
Herausforderungen für Regulierungsbehörden
Virtuelle Welten umfassen viele Elemente der realen Welt, wie Handel, Unterhaltung und Bildung. Sie können beispielsweise einen virtuellen Artikel auf die gleiche Weise kaufen wie einen physischen Gegenstand. Daher gelten wahrscheinlich viele der gleichen Regeln und Vorschriften für virtuelle Welten, wie etwa Zahlungssicherheit oder Datenschutzanforderungen.
Bei der Anwendung rechtlicher Konzepte auf virtuelle Welten ergeben sich mehrere Herausforderungen:
- Geistiges Eigentum – Der Umfang des Schutzes geistigen Eigentums in virtuellen Welten ist unklar, wie jüngste nicht fungibles Zeichen (NFT)-bezogene Klagen. Darüber hinaus ist unklar, wie IP-Rechte auf generative oder KI-erstellte Kunstwerke angewendet werden könnten.
- Finanzvorschriften – Die Anwendbarkeit traditioneller Finanzvorschriften auf virtuelle Assets ist unklar. Müssen virtuelle Immobilien beispielsweise den Regeln für physische Immobilien entsprechen? Stellen Token-Verkäufe ein Wertpapierangebot dar?
- Besteuerung – Die Besteuerung vieler Krypto-Assets ist in den letzten Jahren klarer geworden, aber virtuelle Welten könnten neue Herausforderungen mit sich bringen. Erfordern beispielsweise unterschiedliche NFTs je nach Anwendungsfall unterschiedliche Steuerklassifizierungen?
- Rechtliches Verhalten – Die Anwendbarkeit von Regeln gegen Belästigung oder anderes Fehlverhalten bleibt im Metaversum ungewiss. Beispielsweise könnten neue Gesetze erforderlich sein, um virtuelle Verbrechen zu behandeln, die physischen Verbrechen ähneln, aber nicht analog sind.
- Glücksspiel & Lotterie – Viele virtuelle Welten verfügen bereits über Funktionen wie „Lootboxen“, die zufällige virtuelle Vermögenswerte zu einem festen Preis anbieten. Diese Art von Funktionen fallen möglicherweise unter Glücksspiel- oder Lotteriebestimmungen oder erfordern völlig neue Regeln.
- Datenschutz & Sicherheit - Internet-Sicherheit könnte in virtuellen Welten zur obersten Priorität werden, insbesondere da dort immer mehr Geldwerte gespeichert werden. Neue Vorschriften müssen daher möglicherweise Sicherheitsstandards schaffen und gleichzeitig die Privatsphäre der Benutzer schützen.
Das Strategiepapier der Europäischen Kommission geht nicht näher auf diese Bedenken ein, aber die groben Züge könnten einige Hinweise darauf geben, was die Zukunft bringt. Und letztendlich müssen die Beteiligten feststellen, wie sich neue Vorschriften auf ihre spezifischen Projekte auswirken, beispielsweise auf solche, die an NFTs oder DeFi-Protokollen beteiligt sind.
Was sind die Empfehlungen?
Die Europäische Kommission hat 23 Empfehlungen in seinem Vorschlag, der alles von Beschäftigungsmöglichkeiten bis zur Überwachung virtueller Welten abdeckt. Obwohl es sich hierbei nicht um Gesetzesvorschläge handelt, bieten sie wertvolle Einblicke in mögliche zukünftige Regelungen und einen Einblick in die Denkweise der Regulierungsbehörden, die für deren Ausarbeitung verantwortlich sind.

Zu den wirkungsvollsten Empfehlungen zählen:
- Offene Standards – Die Metaverse-Strategie der EU besagt, dass virtuelle Welten nicht „von einigen wenigen großen Akteuren dominiert“ werden und „von offenen Technologien angetrieben“ werden sollten. Die Empfehlungen zielen darauf ab, Offenheit zu schaffen, indem unter anderem das Dateneigentum gefördert und dezentrale digitale Identitäten sichergestellt werden.
- Datenschutzrechte – Die Empfehlungen legen nahe, dass Benutzer in einigen – aber nicht allen – Umgebungen ein Recht auf Anonymität haben sollten. Wenn beispielsweise Geldüberweisungen oder der Kauf bestimmter Waren eine Lizenz oder Altersbeschränkung erfordern, müssen Sie sich möglicherweise mit einer digitalen Identität authentifizieren.
- Polizeiarbeit – Die EU-Kommission empfiehlt, eine internationale Polizeiinstitution für digitale Welten zu gründen, anstatt sich auf private Organisationen zu verlassen. Darüber hinaus rät die Institution davon ab, die Macht in den Händen einer einzigen Organisation zu konzentrieren und gleichzeitig künstliche Intelligenz zur Unterstützung der Polizeiarbeit einzusetzen.
Diese Empfehlungen sind für viele Krypto-Enthusiasten ein gemischtes Bild. So sind offene Standards und Datenschutzrechte zwar begrüßenswerte Maßnahmen, aber internationale Kontrollen und ein Mangel an vollständiger Anonymität könnten zu Problemen führen. Natürlich steckt der Teufel im Detail, und nur konkrete Gesetzesvorschläge werden dies konkretisieren.
Was kommt als Nächstes?
Die Europäische Kommission forscht weiter andere Facetten virtueller Welten und Web4-Technologien. So wird beispielsweise das Potenzial für neue digitale Kooperationsmodelle untersucht, wie dezentrale autonome Organisationen (DAOs), die viele neuartige Finanzmechanismen im Web4-Ökosystem unterstützen, wie zum Beispiel dezentrale Finanzierung (Herausforderung).
DAOs stellen einzigartige Herausforderungen dar, da sie nicht von einer einzigen juristischen Person verwaltet werden, was die Rückgriffsmöglichkeiten bei Verlusten begrenzt. Daher plant die EU-Kommission eine Studie, um rechtliche, administrative und wirtschaftliche Hindernisse zu identifizieren, die ihre Einführung verhindern könnten. Die gesetzgeberischen Ergebnisse dieser Bemühungen könnten weitreichende Auswirkungen auf das Krypto-Ökosystem haben.
Anfang nächsten Jahres plant die EU außerdem die Einrichtung von „regulatorischen Sandboxes“, um kurzfristige Projekte unter weniger strengen Auflagen zu testen und dabei mit einer Vielzahl von Interessenvertretern zusammenzuarbeiten. Die Ergebnisse dieser Studien könnten sich auf die Gesetzgebung auswirken, die sich aus dem Strategiepapier ergibt, da die Regulierungsbehörde untersucht, welche Auswirkungen Regulierungen auf den Markt haben könnten.
Fazit
Die Europäische Union ist weiterhin auf dem neuesten Stand der Krypto- und Krypto-nahen Regulierung. Nach der Einführung von MiCA zu Beginn dieses Jahres arbeiten die Regulierungsbehörden aktiv an neuen Regeln für virtuelle Welten und andere Web4-Technologien. Als Vorreiter sollten Krypto-Benutzer, Investoren und Entwickler alle Entwicklungen genau im Auge behalten.
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